Le Sublime. Das Erhabene | Arthur Rosset, Oliver Czarnetta | 09.09.–31.10.2026

Das Erhabene beschreibt die Andeutung von etwas Übernatürlichem, Heiligem. Es beschreibt die menschliche Ohnmacht vor der Realisation der Unendlichkeit. In der aktuellen Ausstellung präsentiert die Galerie Anna Probst zwei künstlerische Positionen, die sich mit dem, was zwischen unserer fassbaren Realität und der unfassbaren Ewigkeit auseinandersetzen.

Aug. 27, 2026 | Ausstellungen, Unkategorisiert

Arthur Rossets Ölgemälde im Porträtformat bilden Passagen zu einer surrealen Wirklichkeit, die Betrachtenden durch die Titel der Werke angedeutet und in den Farbflächen manifestiert werden. Auf der Leinwand entstehen Formen in einem improvisierten Prozess des Malens, ganz ohne Vorzeichnung oder Planung. Arthur Rosset gibt sich der gewollten Unschärfe hin, versucht das Unendliche in Konturen auf dem Malgrund wiederzugeben. Durch diese Methode entfalten sich Figuren und Oberflächen, die zum einen ineinander verschwimmen und zum anderen sich scharfkantig voneinander ablösen. So ergibt sich eine verzerrte Tiefenwirkung, die das Erhabene in seinen traumhaften Landschaften auch technisch anzudeuten vermag.

Bevor er sich der Ölmalerei zuwandte, fokussierte Arthur Rosset sich auf die Fotografie. In London und Berlin streifte er durch den dichten Wald alternativer Kulturen, hielt ihre Rituale, Orte, Menschen fest. Die Fotografie, allgemein als dokumentarische Methode künstlerischen Ausdrucks verstanden, bildet somit einen inhaltlichen Gegenpol zu den eher assoziativen, unscharfen Gemälden, die der Künstler heutzutage schöpft.

Oliver Czarnettas bildhauerisches Werk ist der Versuch, die menschliche Existenz freizulegen. Seine Köpfe bestehen aus mehreren Schichten Kunstharz, in das verschiedene Materialien eingearbeitet werden. Die Werke erinnern an Bernstein; die konservierten und versiegelten Gegenstände, Sätze und Farbstreifen bilden eine Metapher für die Präsenz eines Individuums. Das Harz selbst tritt als physische Barriere auf. Die Betrachtenden können das Innere des Kopfes nur erahnen, nicht aber gänzlich fassen. Als Narben sind Risse und Abplatzungen auf der Oberfläche zu erkennen, wie auch die menschliche Haut, ist das Harz nicht perfekt, nicht frei von äußerlicher Einwirkung, Verschließ und Verletzung.

Daneben stehen Kathedralen aus Beton. Anders als die Köpfe sind sie nicht durchsichtig, sie lassen keinen Einblick zu. Oliver Czarnetta wurde zum Thema neugotischer Bildhauerei am Aachener Dom promoviert. Diese aktuelle Werkserie kann somit als natürliche Fortsetzung seiner wissenschaftlichen und künstlerischen Karriere angesehen werden. Sie führt ihn inhaltlich einen Schritt weiter; er legt nun nicht mehr nur das Menschliche in den Köpfen einzelner Akteur:innen frei, sondern wendet sich dem Heiligen zu. Für Oliver Czarnetta enthält Beton einen „Hauch vom Überdauern, vom Ewigen“. Auch Kathedralen stehen für Ewigkeit. Der Aachener Dom etwa stammt aus dem neunten Jahrhundert, die Anfänge des Trierer Doms gehen sogar auf das vierte Jahrhundert zurück.

Arthur Rosset wurde 1994 in der Region Savoie, Frankreich geboren. Er begann seine künstlerische Laufbahn im Studio H13 in Lyon, einem Zentrum alternativer Kultur. Für einige Jahre zog er nach London und schließlich Berlin. In beiden Städten tauchte er in queeren Subkulturen ein, die er als Fotograf begleitete und dokumentierte. Seit 2020 fokussiert er sich auf die Ölmalerei.

Heute lebt und arbeitet Arthur Rosset in Paris, Frankreich.

Oliver Czarnetta wurde 1966 in Düren geboren. 1992 absolvierte er seine Gesellenprüfung als Steinbildhauer. Zwischen 1993 und 2004 studierte er Kunstgeschichte und Philosophie an der RWTH in Aachen und wurde in Kunstgeschichte zu neugotischen Steinskulpturen am Aachener Dom promoviert. Von 2007 bis 2009 arbeitete er als künstlerischer Mitarbeiter am kunstwissenschaftlichen Institut der Universität Koblenz. Für einige Jahre bezog er ein zweites Studio in Leipzig.

Seit 2015 lebt und arbeitet Oliver Czarnetta in Aachen, Deutschland.

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