NordArt Fair – Eine Weltreise durch die Kunst

Manchmal findet man die außergewöhnlichsten Kunsterlebnisse dort, wo man sie am wenigsten erwartet.

Juni 18, 2026 | Kunsterlebnisse, Unkategorisiert

Mitten im hohen Norden, zwischen Nord-Ostsee-Kanal und den weiten Landschaften Schleswig-Holsteins, erhebt sich ein Ensemble gewaltiger Industriehallen aus Backstein und Stahl. Wo einst glühendes Eisen gegossen wurde, begegnen sich heute Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt. Hier, auf dem Gelände der ehemaligen Carlshütte in Büdelsdorf bei Rendsburg, findet seit Ende der 1990er Jahre die NordArt statt, eine der größten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst Europas.

Anfang Juni hatten wir die Gelegenheit, die diesjährige NordArt zu besuchen. Anlass war die Teilnahme von Javier León Pérez, dessen Arbeiten aktuell in unserer Galerie zu sehen sind. Gemeinsam mit rund 300 Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt wurde er für die diesjährige Ausstellung ausgewählt.

Bereits die Ankunft auf dem Gelände ist beeindruckend. Zwischen den historischen Industriegebäuden öffnet sich ein weitläufiger Skulpturenpark, in dem monumentale Arbeiten mit alten Bäumen, Wasserflächen und der rauen Architektur der Carlshütte in einen spannenden Dialog treten. Kunst und Natur scheinen hier selbstverständlich miteinander verbunden.

Dann betritt man die Hallen.

Durch einen schmalen Gang gelangt man in die ehemaligen Produktionsräume der Carlshütte. Was sich dahinter öffnet, ist überwältigend. Meterhohe Räume, alte Stahlkonstruktionen, Kräne, Backsteinwände und Relikte vergangener Industriegeschichte bilden die Kulisse für zeitgenössische Kunst aus aller Welt. Die Vergangenheit des Ortes bleibt sichtbar und verleiht den Arbeiten eine besondere Kraft.

Die Carlshütte war einst eine der bedeutendsten Eisen- und Metallgießereien Norddeutschlands. Hier wurden Maschinenbauteile, technische Gusserzeugnisse, Öfen und Badewannen produziert. Heute werden dieselben Hallen von Kunstwerken aus den unterschiedlichsten kulturellen Kontexten bespielt. Kaum ein Ausstellungsort verdeutlicht eindrucksvoller, wie Transformation gelingen kann. Genau darum scheint es in diesem Jahr auch inhaltlich zu gehen.

Viele der gezeigten Arbeiten kreisen um Fragen von Erinnerung und Identität, um gesellschaftlichen Wandel, Migration, Natur und Umwelt sowie um die Veränderungen, die unsere Zeit prägen. Künstlerische Positionen aus Europa treffen auf Stimmen aus Zentralasien, dem Kaukasus, dem Nahen Osten oder Ostasien. Die Ausstellung wird so zu einem Spiegel einer Welt im Wandel.

Besonders faszinierend ist die internationale Vielfalt. Innerhalb weniger Stunden reist man gedanklich von der Mongolei über die baltischen Staaten bis nach China, von Skandinavien in den Kaukasus und weiter in den Nahen Osten. Selten erlebt man so unmittelbar, wie unterschiedlich Künstlerinnen und Künstler auf dieselben Fragen unserer Zeit reagieren und wie ähnlich manche ihrer Antworten sind.

Die NordArt versteht sich nicht als Kunstmesse und folgt nicht den Mechanismen des Marktes. Stattdessen entsteht hier ein offener Dialog zwischen Kulturen, Perspektiven und künstlerischen Ausdrucksformen. Malerei, Skulptur, Installation, Fotografie, Video- und Medienkunst stehen gleichberechtigt nebeneinander. Manche Arbeiten entfalten ihre Wirkung in den riesigen Hallen, andere werden in installierten Wasserbecken präsentiert, deren Spiegelungen zusätzliche Bedeutungsebenen schaffen.

Ein besonderes Erlebnis war die Teilnahme an einer Führung mit mehreren ausstellenden Künstlerinnen und Künstlern. Die Möglichkeit, Werke direkt aus der Perspektive ihrer Schöpfer:innen kennenzulernen, eröffnet Zugänge, die im normalen Ausstellungsbesuch oft verborgen bleiben. Hinter jedem Werk stehen persönliche Geschichten, kulturelle Erfahrungen und individuelle Sichtweisen auf die Welt.

Auch die Arbeiten von Javier León Pérez fügten sich auf beeindruckende Weise in diesen internationalen Kontext ein. Seine Werke behaupteten sich mühelos inmitten der großen Vielfalt der gezeigten Positionen und machten einmal mehr deutlich, wie universell Kunst wirken kann, wenn sie aus einer authentischen künstlerischen Haltung entsteht.

Es gab zahlreiche spannende Positionen zu entdecken, darunter auch Künstler:innen, die bereits internationale Aufmerksamkeit genießen und deren Werke in bedeutenden Ausstellungshäusern und Sammlungen vertreten sind. Gerade diese Mischung aus etablierten Positionen und neuen Entdeckungen macht den besonderen Reiz der NordArt aus.

Wer sich für zeitgenössische Kunst interessiert, sollte sich diese außergewöhnliche Ausstellung nicht entgehen lassen.

Die NordArt ist noch bis Oktober geöffnet. Ein Besuch lohnt sich.

Und wie immer freuen wir uns über Ihre Hinweise auf besondere Kunsterlebnisse, spannende Ausstellungen und inspirierende Entdeckungen. Der Austausch mit unseren Sammlerinnen, Sammlern, Kunstfreunden und Leserinnen ist für uns von unschätzbarem Wert und eine wichtige Quelle der Inspiration.

Wenn Sie eine Ausstellung besucht haben, einen außergewöhnlichen Künstler entdeckt haben oder einfach einen Tipp mit uns teilen möchten, freuen wir uns sehr über Ihre Nachricht an:

info@galerieannaprobst.com

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