Im vorderen Raum der Ausstellung wird Tageslicht, das durch die großen Schaufenster fällt, von den großen Tafelbildern eingefangen. Das Licht tritt durch die Oberfläche, fällt auf geschnittene, perforierte und bemalte Leinwandschichten und wird schlussendlich in den Raum zurückgeworfen. Es wird dadurch selbst zum Material, zum festen Bestandteil des Werkes. Der Künstler spielt mit malerischen Konzepten von Transparenz und Opazität, in dem er sich einer minimalistischen Formsprache bedient. Er zieht neben der Farbe und Form auch die Leinwand als Träger und Werkstoff in Betracht. Hinzu kommt der Raum, der durch die Größe der Tafelbilder, ähnlich einem christlichen Altarbild, gegliedert wird: Durch ihre monochromatische, durchsichtige Oberfläche fügen die Tafelbilder sich ihrer Umgebung, und dominieren diese gleichermaßen, da sie selbst wie leuchtende Silhouetten wirken. Udo Nöger öffnet die Leinwand, denn er zeigt, was mit kleinen Manipulationen der Oberfläche möglich ist. Gleichzeitig verschließt er seinen künstlerischen Prozess unter einer beinahe opaken Fassade.
Im zweiten Raum der Ausstellung, in dem das Tageslicht nur durch den schmalen Durchgang fällt, wachsen Schatten, die zu einer intimeren und unmittelbaren Erfahrung werden. In den Werken, die aus Kohle auf Leinwand bestehen, entzieht sich Udo Nöger der chirurgischen Schärfe seiner Tafelbilder. Für den Künstler ist der Kontrast zwischen der Leinwand und der schwarzen Kohle, als Metapher für die Abwesenheit von Licht, von immenser Bedeutung. Der Künstler folgt der Linie, die Linie folgt dem Zug der Kohle, die beim Zeichnen bricht und staubt. Es ist ein intuitiver Prozess, der oftmals mit geschlossenen Augen oder seiner nicht-dominanten Hand vollzogen wird, um das eigene Unterbewusstsein zu stimulieren. Die Zeichnungen entfalten sich so zu „inneren Landschaften“, die sich aus Fantasien, Erinnerungen, Gedanken und emotionalen Zuständen zusammensetzen. Die Linie tanzt auf der Leinwand und wird zum Schatten, der Schatten wird zu einem dichten Geflecht und scheint undurchdringbar, doch in diesen Arbeiten offenbart sich der Künstler selbst, sowohl persönlich als auch in seinem Schaffensprozess.
Chasing the Light – Dancing in the Shadow verbindet somit zwei Praxen des deutschen Künstlers: Zum einen, das Spiel mit dem Halbversteckten und der akribischen künstlerischen Methode, in der Licht eingefangen und transformiert wird. Zum anderen der Befreiung des Persönlichen im spontanen Ausdruck, im Tanz mit der Linie, die sich zum Schatten verdichtet.




