Der Titel der Ausstellung spielt auf eine Art des Sprechens an, die weder vorgibt noch schließt, eher ruft und auf Antwort wartet. Eine Stimme, die sich öffnet und zirkuliert. Die Stimme wird dementsprechend als System von Rufen, Echos und Antworten artikuliert, als Präsenzen, die einander reflektieren und nachhallen.
Die gegenwärtige Ausstellung verbindet zwei Bereiche der künstlerischen Praxis von Javier León Pérez, die ihn während seiner gesamten Karriere begleitet haben: Malerei, die in den letzten Jahren intensiver entwickelt wurde, und Arbeiten auf japanischem Papier, die schon seit 20 Jahren Teil seines Schaffens sind. Anstatt die zwei Bereiche als unabhängig zu präsentieren, treffen sie an einem Übergangspunkt aufeinander, der als Schwelle agiert.
Die Struktur der Ausstellung wird durch den Versikel und die Antiphon konzeptualisiert. Beide Ausdrucksformen stammen aus der kirchlichen Tradition und werden hier in einem säkularen Kontext neu interpretiert. Der Versikel, verstanden als kleine Wendung der Bedeutung, manifestiert sich in der Malerei. Jedes Bildwerk tritt als Fragment auf, das weder erzählt noch erklärt, sondern beschwört. Es ist eine dichte Pause, ein Spruch, der sich in sich selbst wendet, etwas zwischen Falten und subtilen Farbvariationen verhüllt wird und die Bedeutung offen lässt. Die Antiphon hingegen verkörpert sich in den dreidimensionalen Papierarbeiten. Anders als der Versikel existiert die Antiphon nicht für sich allein: Sie ist Antwort, Echo, Wechsel in einem. Die Stücke werden als Präsenzen präsentiert, die als Resonanzraum unseres Selbst aktiviert werden. Die Werke sprechen zueinander und erzeugen ein chorales Gewebe, in dem sich keine Stimme über eine andere erhebt.
Javier León Pérez strebt kein abgeschlossenes Bild oder eine endgültige Aussage an, vielmehr geht es um eine ständige Rückbesinnung auf die Bedeutung. Die geometrische Form erscheint als etwas, das sich faltet und erneut öffnet. Die bildlichen Körper und Papierstrukturen verweisen auf eine viszerale Innerlichkeit, auf einen Raum, in dem das Physische zum Behälter für eine immaterielle Dimension des Menschen wird. Die wiederkehrende Verwendung von Rot-, Orange- und Rosatönen signalisiert das Körperliche als Ort des Bewusstseins und der Erfahrung.
„La Voz Que Responde“ will erlebt, anstatt schlicht angeschaut werden. In einer Zeit, in der Menschen dazu neigen, auf das Messbare und Funktionale reduziert zu werden, bietet die Ausstellung einen Erfahrungsraum, in dem Bedeutung nicht durch Erklärung erschöpft wird. Wie bei einem Echo wird etwas gesagt, und etwas bleibt verborgen.




